Richttungshören / räumliches Hören

Richtungshören

Beim Richtungs- oder räumlichen Hören geht es darum, die Richtung einer Schallquelle erkennen zu können. Durch den Nachhall, die Schallabsorption und die Richtungsempfindlichkeit unseres Außenohres erschließt sich uns nicht nur, woher der Schall kommt, sondern auch wie groß der uns umgebende Raum ist.

Zweiohriges Richtungshören

Wenn man vom räumlichen Hören spricht, ist in den meisten Fällen das zweiohrige oder binaurale Richtungshören gemeint. Zur neuronalen "Berechnung" der Schallrichtung müssen drei Elemente berücksichtigt werden: Als Erstes ist die Zeitspanne zu nennen, die zwischen dem Eintreffen der Schallwellen am linken und rechten Ohr liegt, wenn die Schallquelle seitlich des Hörers liegt. Der Fachbegriff hierfür ist die "Laufzeitdifferenz": Der von der Seite kommende Schall kommt bei einem Ohr früher an als beim anderen. Selbst kleine Abweichungen (10-30 µs) einer Schallquelle von der Kopfmitte können vom Menschen erkannt werden.

Das zweite Kriterium ist der Pegelunterschied, auch Intensitätsdifferenz genannt. Die Schallwellen, die auf dem Weg zu dem Ohr sind, das von der Schallquelle abgewandt ist, werden beim Durchdringen des Schädels gedämpft. Bei hohen Frequenzen entsteht ein Schallschatten, da der Kopf bei kleiner Wellenlänge im Vergleich zur Größe des Kopfes ein Hindernis für die Schallwellen darstellt. Auf der Seite, die der Schallquelle abgewandt ist, entsteht dementsprechend eine Abschirmwirkung - ein Schallschatten.

Der dritte Punkt ist der Unterschied in der Klangfarbe. Dieser hängt mit dem Pegelunterschied zusammen und kommt dadurch zustande, dass höhere Töne stärker gedämpft werden als tiefere. Es handelt sich hierbei allerdings streng genommen nicht um eine Richtungsbestimmung durch das Gehör, sondern um eine Richtungsinterpretation im Gehirn, welches auf Erfahrungen zurückgreift und so die Lokalisation eher schätzt als erkennt.

Einohriges Richtungshören

Im Gegensatz dazu ist aber auch einohriges beziehungsweise monaurales Richtungshören möglich. Die Form der Ohrmuschel beeinflusst je nach Richtung des Schalls auch dessen Klangfarbe.

In diesem Video wird gezeigt das der Mensch in der Lage ist, Zeitdifferenzen von 30 Mikrosekunden zu unterscheiden
Mit HdO-Geräten bleibt das natürliche Richtungshören erhalten Mit HdO-Geräten bleibt das natürliche Richtungshören erhalten

Richtungshören mit Hörgerät

Bei Trägern von HdO-Hörgeräten mit offener Versorgung bleibt der Gehörgang frei und somit bleibt das natürliche Richtungshören erhalten. Dadurch, dass In-Ohr-Geräte zwar den Gehörgang verschließen, die Ohrmuschel aber noch voll aufnahmefähig für eintreffenden Schall ist, bleibt auch bei diesem Hörgerätetypen das räumliche Hören erhalten. Grundsätzlich kann man sagen, dass mehrere eingebaute Mikrofone das Richtungshören bei Hörgeräteträgern verbessert.


Zurück zur Übersicht