Hörgeräte-Zuzahlung - Wie viel und wann zahlt die Krankenkasse?

Hörgeräte-Zuzahlung - Wie viel und wann zahlt die Krankenkasse?

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Wenn Sie ein Hörgerät benötigen, beschäftigt Sie wahrscheinlich, wie hoch die Kosten hierfür sind und wer diese übernimmt. Übernimmt Ihre Krankenkasse die Kosten komplett oder gibt es eine Zuzahlung durch diese? Gibt es einen Unterschied bei gesetzlichen und privaten Krankenkassen? Welche Geräte sind komplett zuzahlungsfrei für den Hörgeräteträger? Vorab die gute Nachricht: Bis zu einem bestimmten Festbetrag tragen die Krankenkassen zum Teil oder komplett die Kosten für Ihr Hörgerät, insofern eine ärztliche Bescheinigung vorliegt. Denn die Versorgung mit einer Hörhilfe ist eine Sachleistung, zu der die Krankenkassen per Gesetz verpflichtet sind. In der Versorgung inbegriffen ist die Beratung beim Arzt, das Anpassen, das Testen so wie Wartung und Reparatur der Geräte. Dabei müssen die Hörgeräte technisch dem neuesten Stand entsprechen und außerdem medizinisch notwendig sein.

Wer kommt als Kostenträger in Frage?

Die gesetzliche Krankenkasse

Grundsätzlich übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen, wie zum Beispiel AOK, DAK oder TK, die Kosten oder einen Teil der Kosten für Ihr Hörgerät. Seit dem 01. November 2013 sind die Zuschüsse hierzu gestiegen - Sie erhalten nun einen Festbetrag von bis zu 784,94 Euro pro Hörgerät als Zuschuss. Werden Geräte für beide Ohren benötigt, liegt der Festbetrag bei bis zu 924,94 Euro. Der Zuschuss für zwei Hörhilfen fällt also deutlich geringer aus.

Auch wenn Sie eine Bezuschussung für ein oder mehrere Geräte erhalten haben, müssen Sie die Kosten für die Rezeptgebühr selbst tragen. Die Gebühr beträgt in der Regel 10 Euro je Gerät. Um einer finanziellen Überforderung der Patienten entgegenzuwirken gibt es jedoch auch eine individuelle Belastungsgrenze. Wird ein bestimmter Betrag überschritten, können Sie sich von Zuzahlungen befreien lassen - und das auch noch im laufenden Kalenderjahr. Hier erhalten Sie ausführliche Informationen zur Befreiung von Zuzahlungen.

Die Krankenkassen sind verpflichtet, die Kosten für bis zu zwei Hörgeräte zu übernehmen, beziehungsweise zu bezuschussen. Die Krankenkassen sind verpflichtet, die Kosten für bis zu zwei Hörgeräte zu übernehmen, beziehungsweise zu bezuschussen.

Die private Krankenkasse

Die Voraussetzungen für eine Bezuschussung durch die privaten Krankenkassen sind mit denen der gesetzlichen Krankenkassen identisch. Das heißt, auch hier müssen entsprechende Nachweise über Hörverlust oder Schwerhörigkeit bei einem Hörtest nachgewiesen werden, damit entsprechende Leistungen seitens der Kasse erbracht werden können. Anders als bei gesetzlich Versicherten existiert allerdings bei privat Versicherten kein Festbetrag für Zuschüsse. Die Höhe dieser wird individuell zwischen Ihnen und Ihrer privaten Krankenversicherung vereinbart.

Weitere mögliche Kostenträger

Wenn Sie berufsbedingt ein qualitativ hochwertiges Hörgerät benötigen, übernimmt die Rentenversicherung beim Kauf in der Regel die Kosten. Ist Ihr Hörverlust einem Unfall zuzuschreiben, kommt auch die Unfallversicherung als Träger in Frage. Bei einem Arbeitsunfall oder bei Ausbruch einer Berufskrankheit kann außerdem auch die Berufsgenossenschaft als Kostenträger herangezogen werden und entsprechende Leistungen erbringen.

Voraussetzungen für eine Kostenübernahme

Damit Sie eine eventuelle Zuzahlung oder Kostenübernahme durch Ihre Krankenkasse in Anspruch nehmen können, ist es Voraussetzung, eine Schwerhörigkeit oder einen Hörverlust durch einen entsprechenden HNO-Arzt bestätigen zu lassen. Dabei muss eine Hörminderung im Bereich von 500 bis 3000 Hertz bei den Hauptfrequenzen und - bei einer einseitigen Schwerhörigkeit - zumindest ein Unterschied von 30 Prozent zum Ohr mit der besseren Hörleistung vorliegen. Eine Möglichkeit zur Bezuschussung von Hörgeräten für beide Ohren ist dann der Fall, wenn auf dem Ohr mit dem höheren Hörvermögen eine Hörminderung von mindestens 30 Dezibel vorliegt. Eine höhere Zuzahlung wird in der Regel geleistet, wenn Ihre Hörminderung an Taubheit grenzt, das heißt die Hörminderung muss mindestens 81 Dezibel betragen. Außerdem muss der Facharzt zusätzlich einen Sprachhörtest durchführen. Beinhaltet das Ergebnis, dass das akustische Verständnis bei weniger als 80 Prozent liegt, kann der Arzt eine Schwerhörigkeit attestieren. Nach dem umfangreichen Hörtest und der Feststellung über eine Hörminderung wird Ihnen eine Bescheinigung darüber ausgestellt, welche Sie anschließend Ihrer Krankenkasse vorlegen können.

Voraussetzung für einen Zuschuss durch die Krankenkasse ist die Bescheinigung über die Notwendigkeit einer Hörhilfe durch einen Facharzt. Voraussetzung für einen Zuschuss durch die Krankenkasse ist die Bescheinigung über die Notwendigkeit einer Hörhilfe durch einen Facharzt.
Eine Zuzahlung oder Kostenübernahme gibt es ausschließlich für Hörgeräte, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen. Eine Zuzahlung oder Kostenübernahme gibt es ausschließlich für Hörgeräte, die dem neuesten Stand der Technik entsprechen.

Mindestanforderung an Hörhilfen

Neben der Anhebung der Festbeträge sind auch die Mindestanforderungen für Hörgeräte gestiegen. Diese müssen in jedem Fall dem neuesten technischen Stand entsprechen, das heißt zumindest mit digitaler Technik ausgestattet sein, um bezuschusst werden zu können. Bei digitalen Geräten werden wesentliche akustische Signale intensiviert und ungewünschte Nebengeräusche verringert. Der Hörgeräteakustiker kann durch die moderne Technik außerdem sehr individuelle Einstellungen vornehmen, um Ihnen das beste Hörerlebnis zu gewährleisten. Danach besitzen Sie außerdem die Möglichkeit, sich automatisch anzupassen. Damit die Hörhilfe den Mindestanforderungen entspricht, muss diese über drei verschiedene Hörprogramme und vier Kanäle verfügen. Außerdem muss sie eine Unterdrückung für Rückkopplungen und Störschall besitzen und die Lautstärke bis zu 75 Dezibel verstärken können.

Welches Gerät bei welchem Akustiker?

Hörgeräte ohne Zuzahlung

Die Krankenkassen haben bezüglich der für Sie zuzahlungsfreien Geräte Verträge und Vereinbarungen mit Hörgeräteakustikern geschlossen. Bitte erkundigen Sie sich deshalb zunächst bei Ihrer Krankenkasse, welche Akustiker als Partner unter Vertrag stehen und die Versorgung für Sie leisten können. Hörgeräteakustiker stehen gegenüber den gesetzlichen Kassen in der Pflicht, für Sie passende Hörgeräte - sogenannte "Kassengeräte" - im Preisrahmen der genannten Zuschüsse anzubieten. Patienten wird es so ermöglicht, ein Hörgerät auch völlig ohne eigene Zuzahlung zu erhalten. Zuzahlungsfreie Kassengeräte sind jedoch von der Ausstattung her nicht sehr umfangreich und stellen lediglich eine Grundversorgung dar. Ob ein solches Gerät Ihren Anforderungen entspricht und genügt, finden Sie am besten heraus, wenn Sie dieses zuerst umfangreich bei Ihrem Hörgeräteakustiker testen. Ein Probetragen über einen längeren Zeitraum ist für Sie in der Regel kostenlos, nehmen Sie es deshalb unbedingt in Anspruch.

Um das richtige Hörgerät zu finden, können Sie außerdem die Leistungen von zwei Akustikern gegenüberstellen und vergleichen. Nach der Wahl eines passenden Gerätes erfolgt ein Kostenvoranschlag seitens Ihres Hörgeräteakustikers, welchen Sie nun mit dem Antrag für die Bezuschussung an Ihre Krankenkasse senden müssen. Den jeweiligen Antrag erhalten Sie direkt bei Ihrer Krankenkasse. Achtung: Erst, wenn Sie eine schriftliche Bestätigung von Ihrer Kasse erhalten haben, können Sie sich sicher sein, dass der Festbetrag für Ihr Wunschgerät auch wirklich gewährt wird.

Im Rahmen der Festbeträge sind Hörgeräteakustiker verpflichtet, Hörhilfen zur Verfügung zu stellen, bei welchen Patienten keine eigene Zuzahlung leisten müssen. Im Rahmen der Festbeträge sind Hörgeräteakustiker verpflichtet, Hörhilfen zur Verfügung zu stellen, bei welchen Patienten keine eigene Zuzahlung leisten müssen.

Kostenerstattung für Mehrleistungen

Wenn Sie sich für ein Hörgerät entscheiden, das preislich den Festbetrag überschreitet, dieses aber medizinisch notwendig ist, so können Sie einen Antrag auf Kostenerstattung für Mehrleistungen bei Ihrer Krankenkasse stellen. Je nach Krankenkasse werden Ihnen die Leistungen dann bis zu einem bestimmten Prozentsatz oder Betrag erstattet. Für eine volle Kostenübernahme durch die gesetzlichen Kassen sollten Sie außerdem ein entsprechendes Schreiben aufsetzen, in welchem Sie ausführlich begründen, wieso Sie auf ein qualitativ hochwertigeres Hörgerät angewiesen sind. Ausführliche Informationen hierzu finden Sie zum Beispiel auf dem Infoblatt "Empfehlungen zur vollen Kostenübernahme der Hörgerätesysteme bei gesetzlich Krankenversicherten" von PRO RETINA Deutschland.

Hörgeräte ohne medizinische Notwendigkeit

Falls Sie aus rein persönlichen Gründen ein höherwertiges Gerät möchten, obwohl seitens Ihres Facharztes keine medizinische Notwendigkeit vorliegt, so müssen Sie für die entstandenen Mehrkosten selbst aufkommen. Lassen Sie sich von Ihrem Hörgeräteakustiker bitte nicht dazu drängen, ein Gerät mit hohem Eigenanteil zu kaufen, wenn Sie nicht selbst der Meinung sind, ein höherwertiges Gerät zu benötigen.

Die wichtigsten Infos auf einen Blick

  • Die Krankenkassen sind gesetzlich verpflichtet, die Kosten für ein geeignetes Hörgerät im Rahmen des Festbetrages und nach medizinischer Notwendigkeit zu übernehmen.
  • Private Krankenkassen haben eigene Konditionen, die individuell vereinbart werden.
  • Eine Kostenübernahme oder Zuzahlung durch die Krankenkasse kann nur stattfinden, wenn ein Facharzt eine Hörminderung festgestellt hat und eine entsprechende Bescheinigung darüber vorliegt.
  • Deckt der Festbetrag die Kosten des ausgesuchten Gerätes nicht ab, kann ein Antrag auf Mehrkostenübernahme oder die volle Kostenübernahme gestellt werden, insofern das Gerät als medizinisch notwendig eingestuft wird oder anderweitige gute Begründungen vorliegen.
  • Möchte ein Patient ein höherwertiges Gerät, ohne dass jedoch eine medizinische Notwendigkeit vorliegt, müssen die Mehrkosten hierfür in der Regel selbst getragen werden.



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