Cochlea-Implantat

Cochlea-Implantat

"Nicht sehen können, trennt den Menschen von den Dingen -
nicht hören können, trennt den Menschen vom Menschen" (Helen Keller)

Für Menschen die Ihr Gehör verloren haben ist das Leben extrem belastend. Einfachste Kommunikation mit den Mitmenschen ist kaum möglich, geschweige denn intensive Gespräche. Ein Verlust, der für gesunde Menschen kaum vorstellbar ist. Doch durch den technologischen Fortschritt kann betroffenen nun immer besser geholfen werden. Während man sich früher mit einer Schwerhörigkeit oder gar Taubheit abfinden musste, bestehen heutzutage zahlreiche Möglichkeiten, das Gehör zu verbessern oder es wieder herzustellen. Moderne und beliebte Varianten hierfür  bieten jedoch nicht nur Hörgeräte und Hörverstärker, sondern auch das Cochlea-Implantat.

Was ist ein Cochlea-Implantat?

Das Cochlea-Implantat ist eine Hörprothese für Gehörlose aus zwei Bestandteilen. Der externe Part besteht aus einem Sprachprozessor und einer Sendespule. Dieser sitzt hinter dem Ohr und wird mit einer Batterie betrieben. Den Bestandteil, der sich im Inneren des Körpers befindet, bilden die Elektroden sowie die Empfangsspule. Bei der Implantation wird die Empfangsspule im Schädelknochen, hinter der Ohrmuschel platziert. Diese haftet nach der Operation durch einen Magneten an der Sendespule und kann beliebig abgenommen werden. Der Elektrodenträger führt von der Empfangsspule ins Innenohr, direkt in die Hörschnecke und behebt dort die Schäden des Innenohrs. Alle Bestandteile eines Cochlea-Implantats tragen dazu bei, dass Audiosignale trotz Schädigung des Innenohrs korrekt zu den Hörnerven übertragen werden und ermöglicht so eine Hörwahrnehmung. Betroffene können mit Hilfe des Implantats wieder an Unterhaltungen teilnehmen, Musik hören und telefonieren.

Welche Vorteile bietet ein Cochlea-Implantat?

Verschiedene Studien haben gezeigt, dass sich das Hören mit einem Cochlea-Implantat im Vergleich zu Hörgeräten deutlich angenehmer gestaltet. Zudem ist der Tragekomfort bei einem Implantat mehr gegeben, da kein Fremdkörper deutlich spürbar den Gehörgang verstopft. Nicht außer acht zu lassen ist auch der psychologische Effekt. Mit einem Cochlea-Implantat gewinnen Betroffene nicht nur ein verbessertes Hörvermögen, sondern auch mehr Selbstvertrauen, Ausgeglichenheit und Sicherheit im Alltag. 

Wie funktioniert ein Cochlea-Implantat?

Um die Funktionsweise eines Cochlea-Implantates genau verstehen zu können, muss zuerst verstanden werden, wie ein gesundes Ohr funktioniert. Das Ohr besteht aus drei Teilen – dem Außenohr, dem Mittelohr und dem Innenohr. Vom Außenohr, beziehungsweise der Ohrmuschel werden die akustischen Signale trichterartig aufgenommen und versetzen das Trommelfell in Schwingung. Direkt dahinter liegen die Mittelohrknochen Hammer, Ambos und Steigbügel, die den Schall durch die Schwingung des Trommelfells aufnehmen und ins Innenohr übertragen. Das Innenohr besteht aus einer mit Flüssigkeit befüllten Hörschnecke – die Cochlea. Diese verfügt über kleine Härchen, die mit Nervenfasern verbunden sind und die von der Flüssigkeit weitergeleiteten Schwingungen erfassen. Die Nerven wandeln die Schwingung in elektrische Reize um und leiten diese ins Gehirn – wir können hören.

Bei einer Schwerhörigkeit, bei der ein Cochlea-Implantat in Frage kommt, ist meist das Innenohr durch verschiedene Ursachen geschädigt, dass die Signale nicht bis zu den Nervenbahnen weitergeleitet werden können. Ein Cochlea-Implantat übernimmt somit die gesamte Weiterleitung innerhalb des Ohres und sorgt so dafür, dass wir wieder hören.

Der Soundprozessor nimmt Audiosignale (Sprache, Musik, Geräusche) auf und leitet sie durch elektromagnetische Induktion an die Empfängerspule unter der Haut weiter. Die Spule übersetzt die Signale in elektrische Impulse um, die den Hörnerv in der Cochlea stimulieren. Das Gehirn erkennt die Impulse anschließend und kann sie interpretieren.

.

Ein Cochlea-Implantat übernimmt die Funktionen des Innenohrs Ein Cochlea-Implantat übernimmt die Funktionen des Innenohrs
Die Wirksamkeit des Implantats hängt von verschiedenen Faktoren ab Die Wirksamkeit des Implantats hängt von verschiedenen Faktoren ab

Für wen eignet sich ein Cochlea-Implantat?

Nicht jeder Mensch, der an Schwerhörigkeit leidet, kommt für ein Cochlea-Implantat infrage. Voraussetzung ist eine Schädigung des Innenohres - Hörnerv, Hörbahn und Hörzentrum sollten aber intakt sein. Bei Voruntersuchungen muss außerdem überprüft werden, ob nicht bereits ein herkömmliches Hörgerät ausreichend wäre.

Ein Cochlea-Implantat ist sowohl für Kinder als auch Erwachsene geeignet. Die Wirksamkeit des Implantats hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab: Dauer und Schwere des Hörverlustes und Zustand des Innenohres. Bei angeborener Taubheit (prälingualer Taubheit) sollte das Cochlea-Implantat so früh wie möglich eingesetzt werden, um einen normalen Hör- und Spracherwerb zu ermöglichen. Am besten erfolgt die Operation bei gehörlos geborenen Kindern noch während des 1. Lebensjahres. Bei Patienten mit postlingualer Ertaubung (Ertaubung erst nach dem Spracherwerb) hängt die Wirksamkeit des Implantats von der Dauer der Taubheit ab. Die Betroffenen sollten daher so früh wie möglich ein Cochlea-Implantat bekommen.


Wer führt den Eingriff durch?

Die Diagnostik wird von einem HNO-Arzt durchgeführt. Stellt dieser fest, dass ein Cochlea-Implantat notwendig ist, muss der operative Eingriff in einer spezialisierten Klinik durchgeführt werden. In Deutschland finden sich mittlerweile 50 HNO-Kliniken, die auf diesen Eingriff spezialisiert sind. Bei der Nachsorge werden die Patienten von Logopäden, Psychologen, Audiotherapeuten und HNO-Ärzten unterstützt. Kinder und Erwachsene müssen ein umfangreiches Hör-Sprach-Training absolvieren und den Soundprozessor einmal im Jahr überprüfen und anpassen lassen. Das Nachsorgeprogramm ist sehr wichtig für den Erfolg der Operation - insbesondere für Kinder, die intensive Unterstützung benötigen.

Welche Risiken bringt der Einsatz eines Cochlea-Implantats?

Da es sich bei dem Eingriff, bei dem das Cochlea-Implantat eingesetzt wird, um eine nur mittelschwierige Operation handelt, sind die Risiken relativ gering. Hier gelten die generellen Risiken, die eine Operation birgt, über die Sie vorher gründlich von Ihrem Arzt aufgeklärt werden. Zudem kann es unter Umständen nach dem Einsetzen zu einem temporären Schwindelgefühl kommen, das jedoch nur kurz anhalten sollte. Da die Elektroden in die Schnecke eingeführt werden, die den Gleichgewichtssinn beherbergt, benötigt es gegebenenfalls kurze Zeit, bis sich der Köper an den Fremdkörper gewöhnt.

Werden die Kosten für ein Cochlea-Implantat von der Krankenkasse übernommen?

Das Einsetzen eines Cochlea-Implantates ist wahnsinnig kostenintensiv. Rechnet man das Gerät selbst, den Eingriff, sowie die medizinische Versorgung und Rehabilitation nach der Operation zusammen, können schnell kosten über 40.000 Euro entstehen. Die gute Nachricht ist, dass Krankenkassen die Kosten im Regelfall komplett übernehmen. Sogar nachträgliche Kosten wie zu ersetzende Batterien werden meist von gesetzlichen Krankenkassen zurückerstattet. Dennoch ist dieser Kostenübernahme immer eine medizinische Indikation vorauszusetzen, die vorher in vielen verschiedenen Untersuchungen überprüft wird.

Für ein Cochlea-Implantat muss ein operativer Eingriff in einer Spezialklinik erfolgen Für ein Cochlea-Implantat muss ein operativer Eingriff in einer Spezialklinik erfolgen

Zurück zur Übersicht